Ruhe vor dem Sturm

Roger Waters war an der East Side Gallery. Er hat uns im Kampf um die Erhaltung dieses einmaligen Denkmals unterstützt und das Thema wieder einmal in den öffentlichen Fokus gebracht. Morgen nun startet die nächste Aktion. Künstler um Kani Alavi werden die Mauer verhüllen. Große weisse Papierbahnen werden temporär auf die Bilder geklebt. Was ist diese Mauer ohne Bilder? Was ist dieser Ort ohne Inhalt. Hintergrund ist wieder einmal die Diskussion um den Erhalt. Und zwar der gesamte Mauer, ohne neuerliche Lücken. Der Bezirk Friedrichshain Kreuzberg hat aus kommerziellen, egoistischen Gründen Baugenehmigungen erteilt, die eine Zerstörung dieses Ortes zum Ziel haben. Denkmal gerecht ist das nicht, wenn genau im Todesstreifen Luxuswohnungen und ein Hotel entstehen sollen. Zahlreiche Elemente der Mauer, somit auch einige Bilder werden für Baufreiheit und Zufahrtsstrassen weichen müssen. Durch die begonnene Bautätigkeit ist die Substanz der Mauer gefährdet und auch schon angegriffen. mauer
Was bewegt die Verantwortlichen im Bezirk, solche fatalen Entscheidungen zu treffen? Ist es Geldgier, Ruhmsucht. Ein Israelischer Investor will auf dem ehemaligen Todesstreifen ein kommerzielles Hotel errichten. Pietätlos? Es ist sehr grenzwertig, was auch politisch hier geschieht. Durch beide Bauten (Hinkel Luxuswohnungen, Hotel) wird dieser Platz mit seiner Geschichte entweiht.

Der Bezirk hat die Entscheidung für die zweite Baugenehmigung abgelehnt mit der Begründung, er gäbe keine Zustimmung zwei Stockwerke höher zu bauen, als ursprünglich geplant. (Der Investor sollte als Ausgleich für die Zufahrtslösung, wo er auf Tiefgaragenplätze verzichtet, zwei Stockwerke mehr bekommen.) Damit haben sich die Politiker in Friedrichshain-Kreuzberg somit feige aus der Verantwortung gedrückt. Jetzt liegt die Entscheidung beim Senat. Senator Müller hat in einem kurzen Gespräch angedeutet, das der Senat wohl zustimmen müsste, weil die Ersatzforderungen zu hoch würden.
Was ist eigentlich los? Es geht um ein Denkmal. um die Erhaltung dieses einmaligen geschichtsträchtigen Ort für die nachfolgenden Generationen. Blickt eigentlich irgendjemand von den Entscheidern über den Tellerrand des Kommerz, der Gier und der Gentrifizierung hinaus?
Wir die Künstler müssen kämpfen, wir machen das seit Jahren. Der Senat investierte vor vier Jahren zwei Millionen Euro für die aufwändige Sanierung und Wiederherstellung der Bilder, um sie nun verkommen zu lassen und sie Stück für Stück für Prestigeobjekte zu opfern?

Wir, die Künstler der East Side Gallery und das Bündnis East Side Gallery retten erhoffen uns am Sonntag ein Umdenken der Verantwortlichen im Senat: Rettet dieses Denkmal, Stoppt die Bauvorhaben. Verweigert die Baugenehmigung für das Hotel und schützt endlich die Mauer und die Bilder nachhaltig gegen Graffiti und kommerzielle Zerstörung. Kommt zu uns ab 10.00 Uhr und helft uns mit, bei unserer Aktion. Die Berliner sollten aufstehen und sich zu ihrer eigenen Geschichte bekennen, sonst sehen wir zu, wie die Mauer verschwindet.  Künstlerinitiative East Side Gallery e.V. (08.09.2013)

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