offener Brief an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller

Der Regierende Bürgermeister von Berlin

Michael Müller

– Senatskanzlei –

Jüdenstr. 1

10178 Berlin

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister, Lieber Herr Michael Müller,

Im Namen und im Interesse der internationalen Künstler, die 1990 die Bilder der East Side Gallery geschaffen haben, wende ich mich an Sie.

Als Vorsitzender der Künstlerinitiative East Side Gallery e.V., die seit 1996 für die dauerhafte Erhaltung dieses zum einmaligen Erinnerungsort gewordene East Side Gallery kämpft, ist es mir ein dringendes Anliegen, Sie um die Rücknahme des zweiten geplantes Bauvorhabens (Mekel Bau-Waterfront Living-Hotel) zu bitten.

Wir, die Künstler, die diese Gallery geschaffen haben als Ausdruck der Freude über den Fall der Mauer, über die Beendigung des Kalten Krieges, haben eine Verantwortung gegenüber der Millionen Besucher, Touristen der ganzen Welt, dieses einzigartige Monument für die Zukunft und für die kommenden Generationen zu erhalten.

Jüngstes Beispiel waren die ca. 150.000 Besucher, die zum 9. November 2014, dem 25 Jahrestages des Mauerfalls allein an die East Side Gallery gekommen waren, um diese besonderen Stunden an dieser letzten authentischen Mauer zu erleben.

Mit der geplanten Bebauung durch ein 9 Stockwerke hohes Hotel wird wiederum eine Lücke in der Mauer benötigt, ganz zu schweigen vom ästhetischen Erscheinungsbild dieses 120 Meter langen, ca. 36 Meter hohen Monstrums vor einer bunten 3,60 m hohen Mauer. Durch die Zerstörung der Bilder werden wissentlich Urheberrechte der jeweiligen Künstler versetzt.

Mittlerweile hat sich in den Behörden des Stadtbezirkes Friedrichshain-Kreuzberg, wie auch im Senat bei der Kulturverwaltung die Erkenntnis durchgesetzt, dass die East Side Gallery eine stadtpolitische Bedeutung hat. Dies rechtfertigt, dass im Denkmalbereich hinter der Mauer, wo sich der frühere Todesstreifen befand, keinerlei kommerzielle Bebauung stattfinden darf.

Die Baugenehmigung muss rückgängig gemacht werden. Dem Bauherrn sollte entweder ein Ersatzgrundstück zugewiesen werden, bzw. das Baugrundstück sollte ihm abgekauft werden. Die Zeit drängt, noch kann etwas getan werden, bevor Beschlüsse gefasst werden die man nicht mehr rückgängig machen kann.

 Eine geplante Situation mit mehreren Durchbrüchen, Überfahren des Mauerfusses durch Fahrzeuge zu den Tiefgaragen usw. wird zu dauernden, langfristigen irreparablen Schäden an den Bildern und den Schutzschichten auf den Bildern führen und wird neben dem Graffitischutz ungleich höhere Summen zur Erhaltung bedürfen. Des Weiteren würden somit mehrere Bilder zerstört werden.

Sehr geehrter , lieber Herr Müller, wir bitten Sie den Kompromiss von Ihrem Vorgänger Klaus Wowereit zurückzunehmen und keinen weiteren Bau hinter der East Side Gallery zuzulassen.

Es liegt in unser gemeinsamen Verantwortung, dieses besondere Denkmal für Berlin für täglich tausende interessierte Besucher aus aller Welt sowie für kommende Generationen zu erhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Kani Alavi

Vorsitzender der Künstlerinitiative East Side Gallery e.V.

Berlin, den 21.01.2015

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