Spät geht es voran…

4 Jahre Kampf, 4 Jahre Gespräche, Briefwechsel, Mails, Lobbyarbeit zur Rettung der East Side Gallery. Fast unglaublich scheint nun die nahe Rettung. Durch Bemühungen unseres Vereins, unsere Kontakte zum Kulturstaatssekretär, durch persönliche Gespräche mit Abgeordneten des Bundestages auf unzähligen Treffen und Meetings sind wir nun einer scheinbar dauerhaften Lösung für die Mauer und die Bilder an der Mühlenstrasse nahe.

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v.l. Adalbert Maria Klees (Grünflächenamt F´hain-Kreuzbg., Dr.Susanne Kitschun (MdA), Timm Renner (Kulturstaatssekretär), Kani Alavi (Vors.d. Künstlerinitiative), Jörg Weber (Pressesprecher Künstlerinitiative)

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Durch Eingabe und Forderung nach finanziellen Mitteln durch die Abgeordneten Kruse und Karst in den Bundestag konnten im ersten Schritt 230.000 € für die notwendige Reinigung der East Side Gallery bewilligt werden. Das war im März 2015. Es dauerte weitere 6 Monate, bis der Bezirk dann soweit war. Als Eigner musste er die Summe beantragen, die zur Hälfte von Bund und Land stammt.

Herr Adalbert Maria Klees vom Grünflächenamt wurde zum Manager berufen, der diesen Akt übernehmen sollte. Nicht ohne eingeforderte enge Zusammenarbeit und Abstimmung mit der Künstlerinitiative und den weiteren Akteuren im Senat und Bundestag.

So kam es zu mehreren Treffen und zum jüngsten Gespräch mit Senat, Kulturstaatssekretär Tim Renner, Bezirk und Künstlerinitiative ESG.  Im Ergebnis konnten wir feststellen, das wir auf dem Weg sind, mehr aber auch nicht. Es gibt noch viel zu tun: Nicht nur, dass die wichtige Reinigung viel zu spät begonnen wurde und so in das Winterhalbjahr fällt. Mit heutigem Tage sind ca. 200 Meter geschafft. Die ersten gereinigten Bilder sind aber bereits wiederum beschmiert. Deshalb haben wir beschlossen, zum unmittelbaren Schutz erst einmal Bauzäune aufzustellen, mit Informationsschildern, die auf die Tätigkeiten hinweisen und vor Verunreinigungen warnen. Bis es dann im Frühjahr weitergeht. Ersetzt werden sollen die Zäune dann von einer festen Barriere.

Die sind nur erste Schritte zur dauerhaften Erhaltung dieses Denkmals. Seit Jahren fordern wir hier vom Bezirk als Eigner ein klares Bekenntnis zu diesem einzigartigen Denkmal. Es darf nicht weiterhin stiefmütterlich behandelt werden, und mit Baugenehmigungen zerstört und zerstückelt werden. Neben der Barriere muss auch ein neues Strassennutzungskonzept her, eine regelmäßige Bestreifung des Geländes, um Sprayer von ihrem Zerstörungswerk abzuhalten und ggf. eine Anzeige zu erstatten. Der ominöse Glanze Kiosk (Souvenirverkauf) am Ostelboot gehört dringend abgeschafft und das Gebäude seiner eigentlichen Bestimmung, Aufenthaltsraum für Wachdienst der Grenztruppen, zurückgeführt werden. Eine umfangreiche Information durch entsprechende Tafeln ist wichtig. Zudem ein Zentrum als Begegnungsstätte, das durch die Künstlerinitiative bespielt werden kann. Dies ersetzt nicht ein geplantes Museum durch Mercedes Benz, Anschutz oder sonstwem. Hier sind der Bezirk, der Senat in der Pflicht.

Dieses Denkmal East Side Gallery muß nationales Denkmal werden als Vorstufe zum UNESCO Welterbe. Das forden die Künstler seit vielen Jahren und tun es wiederum. Diese ersten Schritte werden wir kritisch begleiten und die genannten Punkte einfordern.

 

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25 Jahre East Side Gallery – Sendung im rbb

rbb

25 Jahre East Side Gallery – rbb Sendung

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Neuerlicher Zwischenfall – es wurden illegal Mauerteile versetzt und ein weiteres Bild beschädigt…

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East Side Gallery – 6 Mauerteile des Gemäldes La Buerlinica verschoben

unsere Antwort:

Berlin, 27.08.2015

Presseerklärung zur Versetzung von 6 Mauersegmenten an der East Side Gallery am 24.08.2015

 Im Namen der Künstler der East Side Gallery und im Namen des betroffenen Künstlers Cacciatore protestieren wir aufs Schärfste gegen den erneuten illegalen Eingriff in das Denkmal East Side Gallery.

Ohne jegliche Vorabinformation an die Künstlerinitiative, entgegen aller vorher mit dem Stadtrat Panhoff getroffenen Absprachen ist hier wiederum in einer Nacht- und Nebelaktion ein Versetzen von Mauersegmenten erfolgt.

Zufällig durch die Presse erfuhren wir von der Aktion. Weder durch den Eigentümer noch durch den Bezirk wurden wir im Vorfeld über diese Aktion informiert. Jetzt stellt sich die Frage, wieso ein privater Investor überhaupt Eigner von Mauerteilen der Berliner Mauer werden kann.

Wir stehen jetzt vor der Tatsache, zwei massiv zerstörte Bilder zu haben: Vor Beginn der Baumaßnahmen März 2013 sind bereits unter öffentlichen Protest 5 Mauersegmente aus der Linie entfernt worden und wurden dahinter abgestellt.

Das darauf befindliche Bild muss aufwändig restauriert werden und einen angemessenen denkmalgerechten zukünftigen Platz bekommen.

Dazu gibt es Überlegungen von uns, die durch den jetzigen Akt obsolet geworden sind.

Durch das Versetzen des Bildes von Cacciatore sind weitere 6 Segmente zerstört worden, weil sie aufgerissen wurden, die Fugen getrennt wurden und nun wieder aufwändig restauriert werden müssten.

Wir stehen vor einer umfassenden Reinigung der gesamten East Side Gallery und es werden jetzt ohne jegliche Absprachen und Informationen wiederum mutwillige Zerstörungen provoziert.

Wir verurteilen dieses illegale Vorgehen auf das Schärfste und klagen die Verantwortlichen im Bezirk an, vorsätzlich und bewusst zugunsten von finanziellen Vorteilen gegen den Denkmalschutz und damit gegen geltendes Recht zu verstoßen.

Wir haben diesen Vorgang bei der Polizei zur Anzeige gebracht und werden ihn mit allen uns zur Verfügung stehenden rechtstaatlichen Mitteln strafrechtlich verfolgen.

 Kani Alavi

Vorsitzender Künstlerinitiative East Side Gallery e.V.

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Baumilliardär Anschutz – übernehmen Sie…

Es ist eine immerwährende, nie endende Farce um die East Side Gallery. Da stellt der Baumilliardär in Vertretung seines deutschen Marketingchefs Michael Kötter jüngst öffentlich sein umfangreiches Bauvorhaben an der East Side Gallery vor.  Kein Vertreter der Künstlerinitiative war zu dieser illustren Veranstaltung eingeladen worden. Quasi als Geschenk will Anschutz hier auch ein Besucherzentrum für die East Side Gallery errichten. Der Bezirk behauptet hier, das es auf seinen Druck hin geschehen ist. Was für ein Unsinn. Diese Pläne kennen wir bereits seit 2006. Die Künstler sind skeptisch, wie schon der rbb berichtete, sind wir bereits schon 2010 mit einer plötzlichen Mietforderung von 1200 € für ein vorher zugesagtes kostenloses Plätzchen (11,7m²) seitens der Anschutz Group überrascht worden. Die Künstler fordern seit nunmehr 9 Jahren ein eigenes Infozentrum und zwar auf der Spreeseite. Es gibt dort ein ungenutztes Areal am Speicher, wo sich der Bezirk einen kostspieligen Beachvolleyballplatz hat bauen lassen, auf dem noch nie ein Spiel stattfand.

Zweite Farce: Auf mehrfachen Druck seitens des Kultursenats bemühte sich der Bezirk dann doch, die vorher durch die Künstlerinitiative initiierte Summe von 230.000 € (gespiegelt von Bund und Land) zu beantragen. Diese Summe soll zweckgebunden für eine mehr als notwendige Reinigung und Schadensausbesserung an der ESG und den Bildern verwendet werden. Die Künstlerinitiative kümmerte sich hier um fachliche Unterstützung, arbeitete mit dem LDA zusammen, besorgte ein Gutachten als Grundlage für eine Ausschreibung. Aber in die Planung, Vorbereitung und Ausschreibung lässt sich der Bezirk nicht in die Karten gucken. Auf mehrfache Anfrage von uns hieß es nur müde, verantwortlich sei Herr Klees, aber der befindet sich wahrscheinlich im Urlaub. Wir haben in wenigen Tagen August, wann bitte soll den die Reinigung stattfinden, wird es etwa ins nächste Jahr verschoben? Es sind darüberhinaus Gelder von jährlich 60.000 € für die Reinigung ab 2016 genehmigt, was Herr Panhoff gern verschweigt. (Wir haben kein Geld) Sollten die Gelder nicht 2015 verwendet werden , droht der Verfall der Summe.

Dritte Farce: Jüngst fand auf Betreiben der Initiative East Side Gallery retten ein Gesprächstermin beim Staatssekretär Björn Böhning statt. Dort ging es um das geplante zweite Bauvorhaben (Luxushotel Waterfront Living; 9 Stockwerke hoch, 130 Meter lang) direkt vorm Hinkelbau hinter der Mauer. Man hat sich freundschaftlich informiert, auch über die Brommybrücke, natürlich ergebnisoffen.  Auch hier wurde kein Vertreter des Vorstandes der Künstlerinitiative ESG e.V. eingeladen. Wenn es hier um die ureigensten Themen der ESG geht, sollten in erster Linie die Künstler das Wort haben und nicht irgendeine Initiative, weil hier die Gefahr der Verwässerung der Interessen bestehen kann.

Sicher die Künstler sind unbequem, sind eben nicht für eine restlose Kommerzialisierung dieses Areals, das dem Bezirk viel Geld in die Taschen gespült hat. (bei wirtschaftlichen Interessen muss der Denkmalschutz eben hintenanstehen). Was für ein Spiel spielt der Bezirk hier? Versteckt seine eigene Verantwortung hinter der Ablehnung der Stiftung Berliner Mauer? Wir sind es der schönen Worte genug, auch Stadtrat Panhoff lässt seit Jahren konkrete Taten vermissen. Wenn der Bezirk hier nicht entscheiden kann oder will, dann sollte er die Kompetenz an der ESG an die Künstler in Zusammenarbeit mit dem Senat abgeben.

 

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Mauerweglauf 100 Meilen – Berlin – East Side Gallery feiert die Nacht durch (15.-16.08.2015)

mauerweglauf-esgDer Mauerweglauf 100 Meilen Berlin an der East Side Gallery – am Bild von Peter Lorenz wird ein Stand aufgebaut. Wir wollen die Läufer zum 100 Meilen Lauf in Berlin begrüßen, ihnen Speis und Trank reichen und sie anfeuern. Dazu suchen wir Freiwillige, die mit uns gemeinsam in der Nacht vom 15.-16. August 2o15 an der Mauer feiern.

Wer mitmachen will: Wir treffen uns am 15.08. 2015 gegen 16.00 Uhr direkt vor dem Bild von Peter Lorenz (siehe Logo) – wir wollen die Nacht durchmachen bis 11.00 Uhr am nächsten Tag. Es werden ca. 350 bis 400 Läufer erwartet, die einzeln oder in Gruppen kurz vor dem Zieleinlauf direkt bei uns vorbeikommen. Wir wollen sie gemeinsam begrüßen, ihnen  Speis und Trank reichen, sie anfeuern, trösten, ihnen Mut machen, durchzuhalten.  Meldungen der Teilnehmer bitte an weber@eastsidegallery-berlin.com

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Wieviel Kunst braucht es, um gerettet zu werden – zu 25 Jahre East Side Gallery

Wieviel Kunst braucht es, um gerettet zu werden?

Was macht die East Side Gallery so einzigartig?, Warum ist es so schwer, sie zu retten?

Die East Side Gallery unterscheidet sich von allen Denkmalen, die wir in Deutschland kennen. Es gibt Stätten der Mahnung, der Erinnerung, unsere Geschichte wird erzählt, sie sind gestaltet, geplant, abstrakt mit Aussagen versehen, die wir fassen können, die wir verstehen.

Wie geht man mit einem Denkmal um, das diesen Anforderungen so gar nicht genügt? Welches wir nicht in der Hand haben? Was sich von innen heraus geformt, gestaltet hat, aus dem Erfordernissen und den Wirren der Zeit? Einer Zeit, die vergessen werden soll. Einer Zeit, in der alles möglich war, auch ein neues Deutschland.

Zwischen den Dingen stehend, auf der einen Seite ein Relikt der DDR, den Staat, eine Diktatur, ein Unrechtsstaat? Die unendliche Mauer, mehr als tausend Meter, original erhalten, Stahlbeton begreifbar, ein geteilter Himmel. Auf der anderen Seite die Überformung dieser Mauer durch Malerei aus aller Welt, Ideen, Emotionen, Zeitstempel der innersten Gedanken und Gefühle der Künstlerinnen und Künstler.

 

Schon ein Jahr nach ihrer Entstehung unter Denkmalschutz gestellt und seither in ständiger Gefahr, zu verschwinden. Opfer der sich veränderten Zeit zu werden. Städtebauliche Nutzung des Terrains für Interessen Weniger, Opferung der Erinnerung, die so schwer zu ertragen ist.

Wofür steht die East Side Gallery? Was macht sie so besonders? Warum hat sie keine Lobby?

Mittlerweile kommen tausende Besucher Tag für Tag, Millionen pro Jahr, bestaunen die Bilder, versuchen, deren Geschichte und Herkunft zu begreifen, berühren die schier unendliche Mauer, bekritzeln sie, besprühen sie. Es ist das Besondere dieses Ortes, der sie hertreibt, vor allen anderen besonderen Orten in Berlin.

„Die East Side Gallery ist kein nationaler Gedenkort“, so die Einschätzung aus dem Kultusministerium, sondern ein international bekannter Berliner Kulturort. Und weil das so gesehen wird, gibt es keine Lobby und somit kein Geld.

Was bedeuten dann die 100 Bilder, wenn nicht Erinnerung, nur woran?

Es ist eine Erinnerung an eine Zeit, in der die Menschen in Europa seltsam frei waren, ein System hatte sich gestürzt, Millionen Menschen aus dem Osten Deutschlands haben sich auf der Straße ihre Freiheit erkämpft. Der eiserne Vorhang in Europa war gefallen, die Grenzen zum Westen waren weit geöffnet. Es war die Zeit der runden Tische, wo man über eine neue Gesellschaft innerhalb der DDR diskutierte, wo die Deutsche Einheit noch nicht so ganz auf dem Plan stand. Wo es noch die Chance oder zumindest den Wunsch gab, etwas Anderes, Neues, Besseres zu schaffen, als den Übergang von einem Regime in ein anderes.

Diesen Gedanken sprechen ein paar der Bilder aus, da gibt es den zögernden Springer im Bild „Willkommen“ vom damals ostdeutschen Künstler Oliver Feind-Meline. Er will verharren, fällt doch mit einer Hand vor dem Gesicht in die neue Zeit, in der Arbeitslosigkeit, Enteignung der Arbeitskraft auf dich wartet, aber es geht nicht mehr zurück, er fällt schon.

Da sind Gedanken an Frieden in der Welt, „Frieden für Alles“, von der Kunstpädagogin Ursula Wünsch an die Mauer gemalt, Frieden vor allem für die Kinder. Der „Mauerspringer“ vom französischen Künstler Gabriel Heimler, der lange Jahre vor dem Mauerfall in Ostberlin lebte. Sein Springer springt in den Osten, um zu zeigen, dass es dort Dinge gab, die erhaltenswert wären, um sie in ein neues Deutschland mitzunehmen. Kostenlose medizinische Versorgung und Bildung für alle. Bezahlbaren Wohnraum, recht auf einen Arbeitsplatz, Gleichstellung der Frau.

Oder den bekannten Kuss der beiden Parteichefs der kommunistischen Parteien der DDR und der damaligen UdSSR Honecker und Breshnew. In ewiger Umarmung stehen sie für eine Ära der Stagnation, des kalten Krieges für einen unverbrüchlichen Zusammenhalt, der deutsch-sowjetischen Freundschaft. Durch die Kopie eines Fotos von 1979 wurde der russische Künstler Dimitri Vrubel weltberühmt.

Ein Trabi fährt durch die Mauer, dieses Motiv der ostdeutschen Künstlerin Birgit Kinder ist eines der bekanntesten Bilder an der East Side Gallery. Es heißt heute „Test the Rest“, vormals „Test the Best“, auch als Antwort des Umganges der Verantwortlichen mit der Geschichte.

Ja es ist ein Stück Geschichte, Geschichte der DDR, Geschichte der UdSSR, Geschichte Osteuropas, wie es war oder vielleicht werden könnte zwischen den Zeiten. Es ist nicht leicht, sich dieser Geschichte zu stellen. Ist sie doch nicht geradlinig. Ist sie nicht einfach von Ost nach West. DDR weg, BRD willkommen, oder Osteuropa weg, Warschauer Vertrag weg, Westeuropa, EU, NATO willkommen. Nein sie ist subtiler, vielfältiger, ambivalenter.

Die Besucher erinnern sich. Denken zurück an eine Zeit, in der es möglich war, frei zu denken. Menschlichkeit, Solidarität, Mitgefühl, Hoffnung, Frieden. Wo ist das zwischen den Zeiten geblieben?

Es geht nicht nur darum, mich an eine Zeit oder an ein Ereignis, das hundertfach definiert wurde, festgeschrieben wurde, zu erinnern. An der Bernauer Straße erinnern sich die Menschen an die Unmenschlichkeit einer Grenze, an die Bemühungen von Menschen, einen Unrechtsstaat zu verlassen, an Opfer eines totalitären Regimes, das endlich überwunden wurde.

An der East Side Gallery ist das anders. Hier sehen Besucher aus aller Welt die schier unendlich lange, hohe Mauer, unverfälscht, original, den geteilten Himmel. Und sie sehen bunte Bilder, Geschichten, freundliche Farben und Stimmungen, die die besonderen Ereignisse jener Zeit der Wende wieder aufleben lassen. Nein, es ist kein geplantes, erdachtes Denkmal, das in bestimmten Kategorien eine festgelegte Aussage zu haben hat, nein es ist kein Ort des Gedenkens, wo Politiker Kränze niederlegen können, es ist kein Friedhof, wo Staatsmänner sich an den Händen fassend, Symbolik kreieren können. Dieser Ort ist ein unendlich kostbares Zeitdokument.

Die Gruppe weniger Künstler, organisiert in einem Verein sind die Einzigen, die über die Jahre für die Erhaltung dieses Denkmals gekämpft haben. Sie haben kein Geld, sie haben keine Lobby, sie haben keinen Interessenverband. Sie kämpfen und überleben von privaten Spenden, von Unternehmen, die die diese Mauer als Werbekulisse oder Filmhintergrund benutzen.

Vielleicht ist die East Side Gallery auch nicht dafür geeignet, in die Stiftung Berliner Mauer überführt zu werden, um hier einen Ort der historisch-politischen Bildung zu etablieren. Hier geht es um die Rolle der Kunst, den besonderen Zeitcharakter dieses Ortes zu erhalten. Hier geht es um die Aufgabe, kommenden Generationen Geschichten zu erzählen, die die Bilder beschreiben. Sie teilhaben zu lassen an der Freude, der Euphorie an der unendlichen Leichtigkeit der Augenblicke, die die Welt, die die Menschen Europa besonders in Berlin in den Tagen nach dem Mauerfall erlebt haben.

Um diesen Ort dauerhaft erhalten zu können sind mehrere Aufgaben zu lösen. Als erstes muss ein Finanzkonzept erstellt werden, die Mauer und die Bilder zu erhalten.

  1. Dazu gehört regelmäßige professionelle Reinigung von Graffiti und Übermalungen.
  2. Es sollte ein Infozentrum, eine Begegnungsstätte errichtet werden, wo Besucher aufgefangen werden, Hintergrundinformationen, Erklärungen erhalten, wo Gespräche, Foren, Schulungen, thematische Führungen organisiert werden können.
  3. Es sollten Hinweisschilder aufgestellt werden, die auf die Bedeutung dieses besonderen Ortes hinweisen und vor Verunreinigungen, Graffitischmierereien warnen.
  4. Ein vernünftiges Parkraumkonzept muss realisiert werden, der Parkstreifen an der Mühlenstraße zur Spree muss bis auf wenige Ausnahmen abgeschafft werden, zusätzlich sollte ein Beleuchtungskonzept realisiert werde, dass auch bei Dunkelheit die Bilder beleuchtet und illegale Sprayer abschreckt. Dazu gehört ebenso ein Bewachungskonzept durch regelmäßige Streifengänge.
  5. Keine weiteren Bauvorhaben hinter der Mauer auf dem Uferstreifen zur Spree, keine weiteren Mauerdurchbrüche, stattdessen teilweise Rückführung des Geländes in einen Gedenkraum, der die Situation während der intakten Mauer nachzeichnet.
  6. Umwandlung des Touristenkioskes (Glanze) Höhe Ostelboot in einen öffentlichen Raum zur Erinnerung an den damaligen Charakter als Postenruheraum für die Grenztruppen der DDR. Rückführungen der Graffitis am Kiosk in den damaligen Zustand (grau)
  7. Installation eines kleinen ca. 60 cm hohen Abstandszaunes in einem Abstand von ca. 50 cm vor den Bildern, um sie in einem respektvollen Abstand optisch vor Graffiti und Beschmieren zu schützen.

Dies sind unsere 7 Punkte, die die Künstlerinitiative seit vielen Jahren fordert. Die Realisierung würde einen jährlichen Betrag von ca. 250.000 € erfordern, das sind weniger als 5% des jährlichen Etats der Bernauer Straße und nur 2% der Kosten für ein neues Denkmal für die deutsche Einheit.

Es ist nach 25 Jahren endlich an der Zeit, die dauerhafte Erhaltung und Rettung der East Side Gallery nicht nur den Künstlern zu überlassen, sondern dies mit ihnen Hand in Hand gemeinsam mit den verantwortlichen Politikern, Planern und weltweit Interessierten anzugehen.

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offener Brief an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Michael Müller

Der Regierende Bürgermeister von Berlin

Michael Müller

– Senatskanzlei –

Jüdenstr. 1

10178 Berlin

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister, Lieber Herr Michael Müller,

Im Namen und im Interesse der internationalen Künstler, die 1990 die Bilder der East Side Gallery geschaffen haben, wende ich mich an Sie.

Als Vorsitzender der Künstlerinitiative East Side Gallery e.V., die seit 1996 für die dauerhafte Erhaltung dieses zum einmaligen Erinnerungsort gewordene East Side Gallery kämpft, ist es mir ein dringendes Anliegen, Sie um die Rücknahme des zweiten geplantes Bauvorhabens (Mekel Bau-Waterfront Living-Hotel) zu bitten.

Wir, die Künstler, die diese Gallery geschaffen haben als Ausdruck der Freude über den Fall der Mauer, über die Beendigung des Kalten Krieges, haben eine Verantwortung gegenüber der Millionen Besucher, Touristen der ganzen Welt, dieses einzigartige Monument für die Zukunft und für die kommenden Generationen zu erhalten.

Jüngstes Beispiel waren die ca. 150.000 Besucher, die zum 9. November 2014, dem 25 Jahrestages des Mauerfalls allein an die East Side Gallery gekommen waren, um diese besonderen Stunden an dieser letzten authentischen Mauer zu erleben.

Mit der geplanten Bebauung durch ein 9 Stockwerke hohes Hotel wird wiederum eine Lücke in der Mauer benötigt, ganz zu schweigen vom ästhetischen Erscheinungsbild dieses 120 Meter langen, ca. 36 Meter hohen Monstrums vor einer bunten 3,60 m hohen Mauer. Durch die Zerstörung der Bilder werden wissentlich Urheberrechte der jeweiligen Künstler versetzt.

Mittlerweile hat sich in den Behörden des Stadtbezirkes Friedrichshain-Kreuzberg, wie auch im Senat bei der Kulturverwaltung die Erkenntnis durchgesetzt, dass die East Side Gallery eine stadtpolitische Bedeutung hat. Dies rechtfertigt, dass im Denkmalbereich hinter der Mauer, wo sich der frühere Todesstreifen befand, keinerlei kommerzielle Bebauung stattfinden darf.

Die Baugenehmigung muss rückgängig gemacht werden. Dem Bauherrn sollte entweder ein Ersatzgrundstück zugewiesen werden, bzw. das Baugrundstück sollte ihm abgekauft werden. Die Zeit drängt, noch kann etwas getan werden, bevor Beschlüsse gefasst werden die man nicht mehr rückgängig machen kann.

 Eine geplante Situation mit mehreren Durchbrüchen, Überfahren des Mauerfusses durch Fahrzeuge zu den Tiefgaragen usw. wird zu dauernden, langfristigen irreparablen Schäden an den Bildern und den Schutzschichten auf den Bildern führen und wird neben dem Graffitischutz ungleich höhere Summen zur Erhaltung bedürfen. Des Weiteren würden somit mehrere Bilder zerstört werden.

Sehr geehrter , lieber Herr Müller, wir bitten Sie den Kompromiss von Ihrem Vorgänger Klaus Wowereit zurückzunehmen und keinen weiteren Bau hinter der East Side Gallery zuzulassen.

Es liegt in unser gemeinsamen Verantwortung, dieses besondere Denkmal für Berlin für täglich tausende interessierte Besucher aus aller Welt sowie für kommende Generationen zu erhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Kani Alavi

Vorsitzender der Künstlerinitiative East Side Gallery e.V.

Berlin, den 21.01.2015

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Filmpremiere – Berlin East Side Gallery – im Babylon

Was für ein Abend, was für eine Nacht. Gegen 18.00 Uhr traf ich im Babylon, Berlins ehrwürdigstem Kino um die Ecke von der Volksbühne im Bezirk Mitte ein. „Es sind noch nicht soviele Karten verkauft“, sagte mir die Kassiererin gleich am Eingang. Draussen ein original großes Mauersegment, 3,60m hoch und 1,20 breit. Bunt bemalt hat es bereits mehrere Stationen der Geschichte bereist. Gerade war es in der Ukraine, nun heute in Berlin. Die ersten Künstler kommen, Thomas Klingenstein, Margaret Hunter, Mary Mackey aus dem fernen Denver nehmen auch gleich die bereitstehenden Pinsel in die Hand und los gehts.

Gegen 19.00 Uhr kommen auch die ersten Gäste, darunter der ehemalige Bezirksbürgermeister Dr. Franz Schulz, Chef der Clubkommission Berlin Sascha Disselkamp ist ebenso dabei wie Baustadtrat Fh-Kreuzb. Panhoff, der Geschäftsführer des East Side Hotels, Carsten Tietz. Ich sehe viele bekannte Gesichter aus der Zeit der Sanierung 2009. Unsere fleißigen ABM Helfer, die den damals tätigen Künstlern große Unterstützung waren, wie auch viele langjährigen Freunde der East Side Gallery. Die nächsten Künstler kommen, Fulvio Pinna, Thierry Noir, Gábor Simon, Teresa Casanueva und Sabine Kunz sind angereist. Der indische Künstler Narenda Kumar Jain, Peter Lorenz, Günther Schäfer, Kani Alavi, Karsten Wenzel und Paul Maillé sind jetzt ebenfalls da. Auch die ehemalige ESG Managerin Christine Mc Lean aus Schottland  und sogar ESG Erfinder Dave Monti waren vor Ort.

Großer Bahnhof auch vom Fernsehen. Der RBB ist auch gleich mit zwei Teams vor Ort. Natürlich Ulli Zelle vom Abendschau Team, der sich auch gleich die Protagonisten und die Künstler zu Interviews schnappte, Deutsche Welle, Zibb, BZ, Tagesspiegel usw.

Vor der Premiere dann noch eine kurze Vorstellung der „Musik-Theater-Bande“ mit Satire zur Mauergeschichte. Dann gings endlich los. Das Kino bis auf den letzten Platz besetzt schaute gebannt auf ein Feuerwerk von Fakten, Emotionen, Geschichtsabrissen, Statements von Politikern, Künstlern, Passanten und Machern der East Side Gallery. Atemberaubende 128 Minuten. Großer Applaus zum Schluss, als alle Mitwirkende auf die Bühne gingen. An dieser Stelle einen großen Dank an die Filmemacher Karin Kaper und Dirk Szuszies, die nach nahezu 6 jähriger Arbeit aus 230 Stunden Material einen diskussionswürdigen Streifen erstellten, und damit der East Side Gallery ein filmisches Denkmal setzten.                                                                                                                  Jörg Weber

Plakat-Premiere

 

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Der Film über 25 Jahre East Side Gallery – Weltpremiere am 06.01.2015

Der Dokumentarfilm über 25 Jahre East Side Gallery – Von den Anfängen der Mauer bis zur Schaffung der East Side Gallery. Seltene, bisher ungesehene Aufnahmen von Protagonisten und Künstlern. Kaper und Szuszies waren live bei der Sanierung 2009 dabei, interviewten die Künstler und hielten einzigartige Momente fest. Am 06. Januar 2015 im Kino Babylon die Weltzpremiere, ab 08.01.2015 überall in den Kinos Deutschlands zu sehen. Der Film 25 Jahre East Side Gallery. | mehr: eastsidegalleryfilm.de

Kurzmitteilung | Veröffentlicht am von | Kommentar hinterlassen

150.000 Besucher können sich nicht irren

9. November 2014 – was für ein Tag. Der 25. Jahrestag des Mauerfalls. Ohne den Fall der Mauer gäbe es die East Side Gallery nicht, die ja wenige Wochen nach dem 9.November entstand. 106 Bilder von 118 Künstlern aus aller Welt stehen für die Freude über den Mauerfall, die Beendigung des Kalten Krieges in Europa, für ein Deutschland in Freiheit und ein offenes Berlin.

Die Künstlerinitiative ESG e.V. muss nach wie vor um die Rettung der ESG fürchten und kämpft seit nunmehr 18 Jahren unermütlich für die Erhaltung, gegen Abriss, gegen Graffiti. – Ich zitiere hier einige Politiker, die sehr wohl eine Rolle dabei spielen, leider auf der anderen Seite stehen, wie die Künstler:

Monika Grütters (Kulturstaatsministerin): „Die East Side Gallery ist kein Erinnerungsdenkmal, weil sie nach 1989 entstanden ist.“ (2014)                                                Michael Müller (designierter Regierender Bürgermeister Berlin): „Die East Side Gallery ist kein Denkmal von nationaler Bedeutung.“(2013)                                                                    Klaus Wowereit (Regierender Bürgermeister Berlin): „Die East Side Gallery ist Sache des Bezirks.“ (hier:Friedrichshain-Kreuzberg-2013)

Mehr als 100.000 Besucher, Berliner, Touristen waren am 25. Jahrestag des Mauerfalls an der East Side Gallery. Die sehen das anders. Mit Recht. Das 5.beliebteste touristische Reiseziel Deutschlands wurde allein 2013 von mehr als 3 Millionen Menschen besucht. Weil die sich erinnern wollen und ihren Kindern anhand der Bilder zeigen wollen, was damals geschah und wie die Menschen damals dachten. Wo sonst in Deutschland haben wir solch ein authentisches Denkmal. Neue Wippen und Betonquader, die eine Erinnerung hervorufen sollen, sind dafür weniger geeignet.

Anderorts wird die Betonmauer wieder aufgebaut, um die Mauergedenkstätte in Berlin zu schaffen. Das ist gut und richtig und kostet zweistellige Millionen Euro. Der Checkpoint Charlie ist komplett zugebaut, alle denkmalhistorischen Einrichtungen sind künstlich nachgebaut oder verschwunden.

poster

Wir sagen, die East Side Gallery gehört zur Mauergedenkstätte Berlin. Wir benötigen nur wenige hunderttausend Euro, um sie instand zu halten. Wie geht die Politik Berlins und des Bundes seit Jahren mit der East Side Gallery um? Sie wird offiziell totgeschwiegen und der Bund ist nicht bereit, 125.000 € jährlich zur Verfügung zu stellen, um die Grundlage für eine Integration der ESG in die Stiftung Berliner Mauer zu schaffen.

Berlin und Bundgeben  nochmal 3 Milliarden € für die Schlamperei und Korruption am BER aus, wir finanzieren 750 Millionen für ein Stadtschloß, ohne historische Fassade. 125.000 € sind davon 0,018 Prozent, also 18 Tausendstel von 750 Millionen. Die hat der Bund nicht übrig, weil die East Side Gallery kein Erinnerungsdenkmal ist?                150.000 Menschen hatten sich vom 07.-09.November genau hier erinnern wollen.                          Künstleriniative ESG e.V.

 

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